Quellenwiedergabe

Zitieren

Unter einem Zitat versteht man die wörtliche Wiedergabe eines Ausspruchs oder einer Schriftstelle.

Mit Hilfe des Zitierens veranschaulicht bzw. erhärtet die schreibende oder sprechende Person die eigene Darstellung, stützt diese durch Verweise auf andere Texte.

Zitate müssen authentisch und nachprüfbar sein. Deshalb sind die folgenden Zitierregeln unbedingt einzuhalten!

Beispieltext (Auszug):

Christoph Hein, „Der fremde Freund"

Am Anfang war eine Landschaft.

Der Hintergrund ein Zypressengrün, ein schmaler Streifen vor kristallen-leuchtender Leere. Dann eine Brücke, sie führt über einen Abgrund, über eine Schlucht, einen tiefliegenden Bach. Beim Näherkommen - weniger ein Laufen, Schreiten, fast wie eine Kamerafahrt - zeigt sich, sie ist brüchig, eine Ruine. Zwei Balken über einem grundlosen Boden. Ich oder die Person, die vielleicht ich selbst bin, zögert ...

1. Ein Zitat steht in Anführungszeichen. (Duden K 7, Amtliche Regelung § 89)

Aber: Bei klarer optischer Heraushebung längerer Zitate kann auf Anführungszeichen verzichtet werden.

2. Satzzeichen, die zum wörtlich Wiedergegebenen gehören, setzt man vor das abschließende Anführungszeichen. Satzzeichen, die zum Begleitsatz gehören, setzt man nach dem schließenden Anführungszeichen. (Duden K 9 und K 10, Amtliche Regelung § 90)

„Am Anfang", so schreibt Hein, „war eine Landschaft."

3. Steht in einem Text mit Anführungszeichen etwas ebenfalls Angeführtes, so kennzeichnet man dies durch die sogenannten halben Anführungszeichen. (Amtliche Regelung § 95)

Die Zeitung schrieb: „Die Bahn hat bereits im Frühjahr erklärt: ,Wir haben die feste Absicht, die Strecke stillzulegen‘, und sie hat das auf Anfrage gestern noch einmal bestätigt.“

4. Man kann einen Text auch nur in Teilen übernehmen. Die ausgelassenen Textstellen werden jeweils durch drei Punkte (Auslassungspunkte) gekennzeichnet. (Duden K 17; Duden Textverarbeitung, Stichwort Auslassungspunkte)

Beachte: Ein Textzitat sollte durch Auslassungen nicht in seinem Sinn entstellt werden!

Die ersten Sätze von Heins Novelle beschreiben eine Landschaft: „Am Anfang war eine Landschaft. Der Hintergrund ein Zypressengrün, ein schmaler Streifen vor kristallen-leuchtender Leere. Dann eine Brücke, sie führt über einen Abgrund, über eine Schlucht, einen tiefliegenden Bach. Beim Näherkommen ... zeigt sich, sie ist brüchig, eine Ruine."

Es ist üblich geworden, die Auslassungspunkte in eckige Klammern zu setzen.

5. Es besteht die Möglichkeit, bestimmte Stellen eines Zitats grafisch hervorzuheben. Eine solche Hervorhebung muss allerdings gekennzeichnet werden, da sie einen Eingriff in die Quelle darstellt. (Duden K 98)

Hein führt zu Beginn seines Textes eine ursprüngliche Situation ins Feld, er schreibt: „Am Anfang (Hervorhebung durch den Verfasser) war eine Landschaft."

Auch das Einfügen zusätzlicher Erläuterungen ist möglich, diese müssen jedoch als solche gekennzeichnet werden. Dies kann durch eckige Klammern geschehen (Duden R 61) bzw. auch durch runde Klammern und einen entsprechenden Vermerk.

Die ersten Sätze von Heins Novelle beschreiben eine Landschaft: „Am Anfang (der erzählten Zeit, der Rückerinnerungen der Ich-Erzählerin - der Verfasser) war eine Landschaft. Der Hintergrund ein Zypressengrün, ein schmaler Streifen vor kristallen-leuchtender Leere. Dann eine Brücke, sie führt über einen Abgrund, über eine Schlucht, einen tiefliegenden Bach."

6. Das Zitat muss grundsätzlich wort- und buchstabengetreu (auch mit eventuellen grammatischen und orthographischen Fehlern) übernommen werden. Fehler können durch den Zitierenden mit „sic!“ gekennzeichnet werden.

7. Die Nachprüfbarkeit eines Zitates ist durch die Angabe der Quelle zu gewährleisten.

8. Für Internetquellen heißt das, dass die Adresse exakt anzugeben ist, ebenso das Datum des Zugriffs. Die Jahresangabe erfasst das Jahr des Verfassens der Arbeit, die Seitenaktualisierung oder – falls nichts anderes angegeben ist – das Jahr der Abfrage.

Martin, Hans-Jürgen (2009): Rechtschreibung und „Rechtschreibreform“, veröffentlicht im Internet,                      URL: http://www.schriftdeutsch.de/ (Stand: 2009/10, Abfrage: 30.01.2010, 19.43 Uhr)

Darüber hinaus ist zu gewährleisten, dass die Quelle für den korrigierenden Fachlehrer greifbar ist, selbst wenn der Text aus dem Netz genommen wird. Sie sollte also heruntergeladen, gespeichert und gegebenenfalls ausgedruckt werden.

Sinngemäßes Zitieren

Vom sogenannten sinngemäßen Zitieren spricht man, wenn Teile eines Textes mit eigenen Worten wiedergegeben werden.

Eine Kennzeichnung mit Anführungszeichen erfolgt hier nicht, die Quelle ist jedoch jedes Mal, wenn auf sie zurückgegriffen wird, durch eine Literaturangabe zu belegen.

Bei der sinngemäßen Wiedergabe fremder Gedanken ist es üblich, den Konjunktiv der indirekten Rede zu verwenden.

Quellennachweis

Quellen sind sämtliche für eine Untersuchung benutzten Materialien, d. h. neben der Fachliteratur auch Vorlesungsnotizen, Archivmaterialien, Filme usw.

Alle für die Anfertigung einer wissenschaftlichen Arbeit genutzten Quellen sind im Literatur- oder Quellenverzeichnis aufzuführen. Darüber hinaus sind im laufenden Text sowohl beim Zitieren als auch beim sinngemäßen Zitieren Literaturangaben zu machen. Bei letzterem wird der Quellenangabe ein „vgl.“ (vergleiche) vorangestellt.

Die Gestaltung des Literaturverzeichnisses und auch der Literaturangaben ist nicht bis ins Detail hinein allgemeinverbindlich geregelt. Wissenschaftliche Einrichtungen haben hier oft einen „Hausstandard". Allgemeinverbindlich ist, dass ein Eintrag ins Literaturverzeichnis den Namen des Autors, das Erscheinungsjahr, den Titel des Textes sowie dessen Erscheinungsort enthält. Allgemeinverbindlich ist auch die alphabetische Anordnung der einzelnen Einträge.

Standard der Fachgruppe zur Gestaltung des Literaturverzeichnisses

- selbstständig erschienene Quellen

Eco, Umberto (1987): Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, München

Hein, Christoph (1982): Der fremde Freund, Berlin und Weimar

Nerius, Dieter (1989): Deutsche Orthographie, 2. Auflage, Leipzig

- unselbstständig erschienene Quellen (Aufsatz bzw. Artikel in Sammelband, Aufsatz in Zeitung – im Literaturverzeichnis nicht von selbstständig erschienenen Quellen getrennt)

Engelkamp, Johannes (1985): Die Repräsentation der Wortbedeutung, in: Schwarze, Christoph/          Wunderlich, Dieter (Hrsg.): Handbuch der Lexikologie, Königstein/Ts., S. 292-313

Zur Gestaltung von Literaturangaben
(Beispieltext, Auszug aus einer wissenschaftlichen Arbeit)

Ohne hier näher auf die einzelnen Soziolektbegriffe einzugehen (vgl. dazu u. a. Kubczak 1987,
S. 268 ff.), stellen wir insgesamt ein Auseinandergehen von Intension und Extension der verschiedenen Soziolektbegriffe im Hinblick auf die nähere Bestimmung der Qualität der sprachlichen Eigentümlichkeiten fest. Wir stimmen Autoren wie Schönfeld zu, die ein weiteres Verständnis von Sprachvariation fordern (vgl. Schönfeld 1985, S. 218 f.). So kritisieren auch Dittmar/Schlieben-Lange, dass sich soziolinguistische Analysen zu lange auf die grammatische Variation beschränkt haben und dabei die semantische und pragmatische Variation außer Acht gelassen wurde (vgl. Dittmar/Schlieben-Lange 1982, S. 73 f.). Kallmeyer weist in diesem Zusammenhang auf folgenden Sachverhalt hin: Die Soziolinguistik „praktiziert eigentlich einen relativ engen Begriff von Sprache bzw. von den sozial bedeutsamen Eigenschaften von Sprache. In den Ethnowissenschaften werden Kategoriensysteme und Handlungssysteme, Kommunikationsroutinen, Handlungs- und Textmuster ... seit langem als Gegenstand angesehen. Es gibt gute Gründe dafür, diese Gegenstände auch in die soziolinguistische Stadtforschung zu integrieren" (Kallmeyer 1987, S. 87) - und wir meinen, nicht nur in diesen Bereich der Soziolinguistik.

Hinweise zum Zitieren bei Klausuren

1. Bei Klausuren sind Literaturangaben nicht erforderlich, da die Texte ja vorgegeben sind oder beim Zitieren aus dem Gedächtnis nicht vorliegen. Bei mehreren Texten sollte man zur Unterscheidung jeweils die Textnummern, Titel oder Autoren nennen.

2. In den Texten sind im Regelfall die Zeilen nummeriert. Literaturangaben nehmen hierauf Bezug.

3. Zitate sprechen nicht für sich. Sie müssen sprachlich und inhaltlich mit den persönlichen Aussagen logisch verknüpft werden. Das gilt generell, nicht nur für Klausuren. Unter anderem sind folgende Verknüpfungen möglich:

·         Das Zitat lässt deutlich werden, dass ...

·         Diese Aussage deutet darauf hin, dass ...

·         Der Textstelle ist Folgendes zu entnehmen: …

·         Diese Sicht wird gestützt durch ...

·         Als Beleg dafür kann folgende Textstelle herangezogen werden: „...“

·         Der Text wird durch zahlreiche Metaphern geprägt (vgl. Z. (Zeile) / vgl. V. (Vers) …)

·         Diese Meinung lässt sich anhand ... begründen / belegen.

·         ..., weil der Erzähler / Sprecher / Autor ausdrücklich auf ... hinweist.

Zur Gestaltung von Literaturangaben in Klausuren
(Auszüge aus Klausurerwartungsbildern)

Theodor Fontane, „Frau Jenny Treibel“

Im Roman dominiert wie auch im vorliegenden Textauszug die auktoriale Erzählperspektive. Es wird in der Er-/Sie-Form erzählt. Der Erzähler berichtet und beschreibt von einem olympischen Erzählstandort aus das Geschehen, er gibt nicht nur eine Außensicht auf die handelnden Figuren, sondern auch eine Innensicht (vgl. Z. 16 f., auch Z. 30). Prägend für den Textauszug ist der große Anteil des szenischen Erzählens, der besonders zu Beginn Dynamik ins Geschehen bringt. Bei alledem hält der Erzähler durch Kommentare Distanz zu dem Geschehen (vgl. Z. 17 f., Z. 45 ff.), wirkt hierbei z. T. ironisch („Und konnte es anders sein? Der gute Treibel, er war doch auch seinerseits das Produkt dreier, im Fabrikbetrieb immer reicher gewordenen Generationen, und aller guten Geistes- und Herzensanlagen unerachtet und trotz seines politischen Gastspiels auf der Bühne Teupitz-Zossen – der Bourgeois steckte ihm wie seiner sentimentalen Frau tief im Geblüt.“ Z. 63 ff.; vgl. auch Z. 46 ff.), was die Distanz verstärkt.

Theodor Fontane war nicht nur Romancier und zuvor Journalist, er hat sein Kunst- und Literaturkonzept auch in essayistischen Schriften der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In „Der Realismus unserer Zeit“ (1853) schreibt er sinngemäß: Die Realität liefere den Stoff für die Darstellung in Kunst und Literatur. Kunst bilde Realität ab, wobei die Auswahl aus dem Stoff die Hand des Künstlers treffe.

Durs Grünbein, „Schlaflied“

Bei einer Betrachtung der inneren Form erschließen sich die Disharmonien im Gedicht in ihrer Funktion. Hier spricht ein lyrisches Ich, ein Vater, zu seinem Kind. Er singt es jedoch nicht in den Schlaf, so klein scheint es auch nicht mehr zu sein, sondern beklagt melancholisch und selbstironisch die eigene Schläfrigkeit. Bezeichnenderweise wird das Kind als „Ausbund […] an Leben“ (V. 9) angesprochen, hat also den aktiven Part inne. Die traditionelle Sprechersituation eines Schlafliedes ist damit auf den Kopf gestellt.

 
English
Polski